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La Salida: Die Gitarren sind wieder da

paul • 10. März 2010 • Im Fokus

Die Gitarren sind wieder da

Ein Artikel von Jean Luc Thomas
veröffentlicht in La salida Nr. 54 / Juni – September 2007

Die Renaissance des Tango hat in vielen Milongas die Flamme der Orquestas Típicas wieder entfacht. Aber der Hang zur Nähe und Intimität, den dieses Genre mit sich bringt, bewirkte auch ein Aufblühen der Gitarren. Voilà, da sind sie!

Natürlich assoziiert man die näselnde Klagestimme des Bandoneón mit dem Tango, aber wie es ein Freund in Bezug auf die Folklore Argentiniens behauptet, klingt es so:“ Schüttelst Du einen Baum in Argentinien, fallen jede Menge Gitarristen herunter…“ Diese scherzhafte Bemerkung weist auf die Bedeutung dieses Instruments hin, nicht nur im Tango, sondern in der gesamten Folklore- Musik, bei der der Tango da und dort manches entlehnt hat. Manch ein Tango- Gitarrist durchlebt übrigens nicht selten eine Art von musikalischem Doppelleben, oft kehrt er irgendwann zurück zu jener Folklore, aus der er einst zum Tango gekommen ist.

Es ist so: Sie gehört mitten in den Tango- Bilderbogen, die Gitarre, die Carlos Gardel im Arm hält, das Instrument, das jener abgewiesene Liebhaber aus „Mi noche triste“ in den Schrank gesperrt hat; an diesen Bildern führt ebenso wenig ein Weg vorbei wie an der frisch angezündeten Zigarrette in den Händen der Statue von Carlitos auf dem Friedhof von la Chacarita. Man muß die Geschichte nicht neu schreiben:  Die Gitarre im Tango gibt es eher als das Bandoneón! Sie ist Teil der ersten Trios aus Gitarre, Flöte und Geige und seiner zahlreichen Varianten, an sie schmiegen sich die Hände der Payadores, der Volkssänger, lange bevor das Tango- Lied entstand, aber auch danach bleibt sie ebenso unentbehrlich, als etwa das Duo Gardel- Razzano jene neue Ausdrucksform verbreitet, die „den Tango von den Füßen zu den Lippen erhebt“ (Discépolo).

Die Gitarre wird zur Gefährtin des Troubadours, zur Freundin, zur Vertrauten des Tangosängers, bevor noch das Bandoneón mit tieferem Echo, seiner kräftigeren Stimme, seinem männlicheren, markanten Klang zu imponieren beginnt.

Es ist wohl auf die Entwicklung der Orchester zurückzuführen, die Nelly Omaraus ihrer Besetzung die Gitarre ausgeschlossen hat: Ihre fehlende Lautstärke (vor der elektrischen Verstärkung der Instrumente) hat sie in den Jahren der Goldenen Epoche gegen Ende der 30er Jahre an den Rand gedrängt. Erst Mitte der 60er Jahre haben Bartholomé Palermo und Roberto Grela die Gitarre von neuem geadelt, in kleinen Ensembles oder zur Begleitung von Sängern und Sängerinnen wie Nelly Omar oder Rubén Juárez, die Grela begleitete, oder Palermo als Begleiter von Edmund Rivero (selbst Gitarrist!) im „Viejo Almacén“; Juanjo Domínguez wurde legendärer Begleiter von Roberto „El Pólaco“ Goyeneche. Hier wären noch etliche Gitarristen zu nennen, die Sänger wie Podestá, Echagüe oder Marcel begleitet haben, bis zur endültigen Schließung des legendären Clubs Caño 14 im Jahr 1984.

Das Quintett von Astor Piazzolla hielt der Gitarre jedoch einen Platz frei: Oscar López Archtop Jazz Guitar o DeckelRuiz und Horacio Malvicino sind namentlich diejenigen, die die sechs Saiten im besten Sinne des Klangkosmos des Maestro zum Klingen gebracht haben. Elektrisch verstärkt, bietet die Gitarre mehr an Perkussion für den Rhythmus und kann darüber hinaus Soli und halbsolistische Einlagen, Riffs etc. beisteuern, ohne vom Ensemble überdeckt zu werden. Ein Platz auch beim herausragenden Quinteto Real, wo die enge Komplizenschaft des Pianisten Horacio Salgán mit dem Gitarristen Ubaldo de Lío sich bestens inspirierend auf die übrigen Musiker des Quintetts überträgt…

Als das Abenteuer des ersten Quinteto Real zu Ende ging (später, im Jahr 1999 gab es noch eine neue Zusammenstellung unter diesem Namen), war das Duo Salgán – De Lío noch lange nicht am Ende damit, den Dialog Bandoneón- Piano [Pedro Laurenz!] weiter zu entwickeln, während Aníbal Troilo mit Roberto Grela im Duo bzw. in einer Quartettbesetzung Aufnahmen zu machen begann /in den Jahren zwischen 1953 und 1969!). Dies geschah auf dem Hintergrund der Krise und des fortschreitenden Verschwindens der Orquestas Típicas, was auch bei Leopoldo Federico, dem erfolgreichen Orchesterleiter und Bandoneonisten, dazu führte, dass er sich ebenfalls in kleiner Quartettbesetzung, aber höchster musikalischer Qualität, mit Roberto Grela zusammenfand.

Im Verlauf der großen Bewegung der Wiederentdeckung und Wiederbelebung des Tango ist schließlich die Gitarre – akustisch- unplugged oder elektrisch verstärkt – wieder in Mode gekommen, und zwar sowohl in der Gesangsbegleitung als auch in der Orchesterbesetzung, soweit es sich nicht ohnehin um Solo- Gitarristen handelt. Die Tradition der kreolischen Gitarre bei Gardel und des zur Gitarre gesungenen Repertoires ist auch nicht vergessen:

Die überraschende Vorstellung eines im übrigen sehr professionell vermarkteten Albums von Cristóbal Repetto bei Universal im Jahr 2004 (sehr schönes Repertoire, mit nicht zu leugnender guter Bühnenpräsenz vorgetragen, ob man das absichtliche, gekünstelte nasale Timbre im Stil der 30er Jahre mag oder eher ablehnt), hat die traditionelle Gitarrenbegleitung zweifellos auch wieder ins Rampenlicht gerückt.

Dies soll aber nicht unterschlagen, dass es ebenso lobenswerte Brian ChambouleyronInterpretationen von Gitarristen- Sängern gibt. Zum Beispiel das Album „Guitarra y voz“ von Brian Chambouleyron, das von einer extremen instrumentalen Finesse ist (2006). Dieser gebürtige Pariser, aber dennoch durch und durch Argentinier, stets am Repertoire der 20er oder 30er Jahre, hat seine Arbeit zunächst in den Bühnenspektakeln Recuerdos son recuerdos oder Glorias Porteñas eingebracht, bevor er sich an eine solistische Karriere machte.

Er war es, der in Buenos Aires im Café „La vaca profana“ vergangenen Oktober einige Abende voller raffinierter Emotionen erleben ließ, indem er die Feinheit seines Gesangs mit gitarristischer Geschmeidigkeit verband. Ihm ganz ähnlich im intimen Register, aber deutlicher unterstrichen durch eine Begleitung, die mit intrumentalen Klangfarben mehr in Richtung Brasilien weist, erschien in Frankreich als Live- Aufnahme das Album des Veteranen Horacio Molina im Label von Eduardo Makaroff, Mañana (2006). Auch die Tradition der Ensembles aus Saitenzupfern erlebte eine Erneuerung durch das junge, aber dennoch sehr gereifte Quinteto Ventarrón, so wie auch durch die Ensembles 34 puñaladas (Gitarren und Gesang), Palermo 5 oder das sogar noch jüngere Trio Cataldi-Gorosito-De la Vega, deren 2. Aufnahme mittlerweile schon auf den Markt kam (Sutil tango sutil, 2007).

Unter den Gitarristen mit den besten Referenzen, die sich mittlerweile hier in Frankreich niedergelassen haben, finden wir Rudy Flores, einen hervorragender Folkloristen, der mit seinem Bruder Nini (Akkordeon) zusammen spielt, aber auch Luis Rizzo [leider unterdessen verstorben, Anmerkung d. Ü.], Adrien Politi oder den sehr elektrisch spielenden Tomás Gubitsch, alle drei in eigenen Bands aktiv, darüber hinaus aber auch Leonardo Sánchezproduktive Komponisten. Leonardo Sánchez, Gitarrist des Trío Gomina, Partner von Juanjo Mosalini jr. im Quintett und bei den Bearbeitungen des Piazzolla- Repertoires zusammen mit dem Ensemble Basse- Normandie, begleitete auch den argentinischen Sänger Jaïro in einer Aufnahme mit Stücken überwiegend von Piazolla- Ferrer, die in Frankreich produziert wurde, Jairo canta Piazzolla (2003). Ciro Pérez, ein bewährter Recke der Tango- Gitarre, schon seit 1980 in Frankreich, setzte im legendären Pariser Tango- Varieté  „Trottoirs de Buenos Aires“ einen Weg fort, der in Argentinien durch die bedeutsame Zusammenarbeit mit Roberto Grela bereitet wurde, und zuvor in seinem Heimatland Uruguay von der Zusammenarbeit mit einem nationalen Monument der Musik, Alfredo Zitarrosa, geprägt worden war. Er erschien hier in Frankreich solistisch, abgesehen von einigen Partizipationen als Studio- und Begleitmusiker, in zwei sehr schönen Aufnahmen in Trio- Besetzung: Pedacito de cielo (mit Gustavo Beytelmann, Klavier, und Roberto Tormo, Kontrabaß, erschienen bei ASPIC 1997) und erst kürzlich in Las siluetas porteñas (Cinq planètes, 2006) zusammen mit William Sabatier (Bandoneón) und  Norberto Pedreira (Gitarre und Gitarrón). [Im Duo mit dem aus Paraguay stammenden Gitarristen Vidal Rojas aus Toulouse hatte Ciro Pérez schon 1994 eine Roberto Grela gewidmete Aufnahme von Tangos auf 2 Gitarren veröffentlicht (Tango pour deux guitares, ASPIC, 1995), der in diesem Jahr, also 2009, eine neue Einspielung dieses Duos folgen soll: Revisitango (Bulls Prod., 2008). Wenn diese CD Anfang 2009 endlich in den Handel kommt, wäre ihr eine baldige Rezension zu wünschen.]

In der letzten Zeit hat sich auch Diego Trosman, ein in Marseille ansässiger argentinischerGustavo Gancedo Gitarrist, mit seiner Gruppe Yuyo Verde in der dem Tanz und der Livemusik verpflichteten Tangoszene bekannt und unentbehrlich gemacht. Gustav Gancedo hingegen, dieser überaus versierte Arrangeur und Gitarrist in zwei erfolgreichen Aufnahmen mit seinem Septett (Tango para ustedes, erschienen im Label L‘ empreinte digitale, 2002) und einer Quartettbesetzung (Aquí y ahora, 2004), ist mittlerweile zurückgekehrt in seine Heimat Córdoba, wo die Folklore dominiert und wo er selbst mit dem Duo Salteño einmal debütierte. Diese Rückkehr zu den Wurzeln unterstreicht er durch eine zuvor in Eigenproduktion entstandene Aufnahme (Guitarra argentina, 2006), bei der eben der Tango und die Folklore vermischt werden. Wir sind sehr gespannt darauf, ihn hier in Frankreich wieder zu sehen, so wie auch auf die nächste Tour von Pablo Bernard, einem Spezialisten der zehnsaitigen Gitarre, die der Interpretation der Tangos eine ganze Palette an zusätzlichen Farben in Richtung Jazz oder Tropicalismo eröffnet.

Diese zuletzt erwähnten Namen führen uns nach Argentinien, wo es abschließend nicht versäumt werden soll, einige besondere Charaktere mit Grenzgängerqualitäten zu erwähnen, große Zauberer von Stimmungen, jene Esteban Morgado, Luis Borda, Gustavo Mozzi, Arrangeure und Komponisten … und zunächst Gitarristen! Und wie könnte ich diese Betrachtung schließen, ohne an Aníbal Arías zu erinnern, den weit über 80 jährigen Veteranen, der durch das interessante Projekt von Gustavo Santaolalla Café de los maestros erst letztens wieder in die Öffentlichkeit geriet. Und an jenen Mann, der fast 30 Jahre lang beinahe unauffällig im Schatten von Mercedes Sosa wirkte, bevor er sich schließlich, mit 55 Jahren, dazu entschloß, eine Aufnahme mit Tangos auf der Gitarre herauszubringen (Tango 12): Nicolás „Colacho“ Brizuela. ■

Jean- Luc Thomas

Deutsche Übersetzung und zusätzliche Anmerkungen in [ .. ] von Martin Hallier. An dieser Stelle herzlichen Dank an die Redaktion der Zeitschrift La Salida für die Erlaubnis, diesen Artikel – und einige weitere Artikel – hier veröffentlichen zu dürfen.


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Julio Cobelli – Tangogitarrist aus Montevideo

Gastwriter • 20. April 2009 • Allgemein

Julio Cobelli Julio Cobelli ist Tangogitarrist aus Montevideo, der gerade in diesen Wochen einmal wieder nach Deutschland kommt. Seine wenigen Konzerte bei uns spielen sich so unscheinbar in der Provinz ab, dass ich hier darauf aufmerksam machen möchte. Denn Julio Cobelli hat am 22. April Geburtstag, und dies soll ein guter Anlaß sein, ihn hier zu würdigen. Die Gitarre im Tango wird bald in einer kleinen Artikelserie hier betrachtet werden; dies kann als ein kleiner „Apéritif“ dazu betrachtet werden.

Julio Cobelli wurde  am 22. April 1952 in Montevideo geboren und lernte früh von seinem Vater Floro Cobelli, Gitarre zu spielen. Der Sänger und Gitarrist Walter Apesetche unterrichtete ihn weiter, noch als Kind und als Jugendlichen. Im Jahr 1970, also mit gerade 18 Jahren,  stieß er bereits als fertiger Gitarrist zum Gitarren-Quartett von Hilario Pérez, dem Vater des exzellenten Gitarristen Ciro Pérez. (Hilario Pérez y su conjunto).

Diese Gruppe von professionellen Musikern begleitete den in ganz Lateinamerika bekannten und beliebten uruguayischen Sänger Alfredo Zitarrosa; mit ihm entstanden zahlreiche Plattenaufnahmen am Anfang der siebziger Jahre. Verschiedene Tourneen führten Alfredo Zitarrosa zusammen mit seinen Musikern in den Jahren 1970 – 1972 durch Uruguay, Chile, Brasilien und Perú. Später begleitete er den Sänger mit seinen eigenen Quartett, dem „Cuarteto de Guitarras“.

Julio Cobelli schaffte als Tangogitarrist nicht nur den Sprung über den Rio de la Plata nach Buenos Aires, wo er als Begleiter des Sängers Alfredo Sadi auf die Beteiligung des großen Roberto Grela zählen konnte. (Diese Aufnahmen fanden im Jahr 1982 statt). Er kam auch wiederholt nach Europa und in andere Länder außerhalb Lateinamerikas.

Julio Cobelli - Hugo Diaz - Horacio Cabarcos In Uruguay war er zunächst fester Musiker in der über Jahre produzierten Tango-TV-Sendung „Café Concert“ mit dem Gitarristen Alberto Larriera. Argentinische wie uruguayische Sänger kamen hier wie auch in Theatern auf der Bühne zu von Julio Cobelli begleiteten Auftritten: Alberto Marino, Roberto Goyeneche, Eduardo Adrián, Guillermo Fernández, Olga Delgrossi, Daniel Cortés, Ledo Urrutia (selbst auch Gitarrist), Elsa Morán, Adriana Lapalma, Nancy De Vita, Alberto Rivero als einige aus den vielen Namen.

Mit seinem eigenen Gitarren-Quartett machte er sich 1992 an die Aufnahme von Candombes unter dem Titel “Al estilo Julio Cobelli”, wobei er die typische Musik aus dem Karneval Montevideos in den Mittelpunkt stellte. Der oben schon genannte Sänger Ledo Urrutia spielte hier neben Omar Cáceres und Henry Hernández (Guitarrón) in seinem Gitarenquartett mit.

Julio Cobelli bei Radio 6 (NL) Vielleicht wurde so erst der unter der Militärrregierung in den 70er Jahren ins Exil gegangene populäre Sänger von der Küste Uruguays José Carbajal auf ihn aufmerksam, den man als “El Sabalero” in vielen Ländern kennt. Er ging zunächst nach Mexiko ins Exil, später nach Europa, wo er in Holland Wurzeln schlug. Ihn begleitete Julio Cobelli im Jahr 1992 bei einer Aufnahme seiner Songs, die in den Folklorerhythmen seiner Heimat eine alltägliche und kaum überhöhte Form der Lyrik transportiert, die man in der Zeit der politischen Cantautores in den 70er oder 80er Jahren in ganz Südamerika gern gehört und gesungen hat.

Zurück zum Tango: Der großartige Hugo Díaz, Bandoneonsolist aus Montevideo, nahm Julio Cobelli im Jahr 1993 mit auf Tournee nach Europa. Die Konzerte und auch Studioaufnahmen fanden in der Schweiz und in Deutschland statt, wo Hugo Díaz damals hängenblieb. Die Mitglieder seiner Formationen folgten ihm nur für die Tourneen und wollten ihre Heimat nicht gänzlich verlassen, während Hugo Díaz in Hamburg blieb. Damals war es neben Cobelli der Kontrabassist Vinicio Ascone, der bei den Konzerten mitwirkte.

Einige Jahre später (1998) nahm er wieder mit Hugo Díaz sowie einem anderen Bassisten (Horacio Cabarcos) wieder eine CD auf, die sich immer noch zu kaufen lohnt. Alle diskografischen Hinweise werden in einem folgenden Artikel genauer aufgelistet, so dass es sich an dieser Stelle nur erwähnt wird. Diese Aufnahmen fanden in Buenos Aires statt.

Julio Cobelli, Guzmán Mendaro, Poli Rodríguez Mit Héctor Urtazú (Bandoneonist) und Ledo Urrutia begleitete er 1995 eine Tango-Bühnenshow in Musicalform namens “Mano a Mano” in den USA.

Mit dem Bandoneonisten Néstor Vaz verbindet ihn eine langjährige Zusammenarbeit in der kleinen kammermusikalischen Besetzung eines Trios, das sich nach dem Bandoneonisten Nestor Vaz benennt. Dieses Trio konnte man im jahr 1999 in Deutschland hören, aber auch schon 1997 gab es eine interessante Arbeit mit der holländischen Sängerin Marlous Lazal, die sie bei einer Aufnahme begleiteten. 2000 gab es dann wieder eine Tournee durch Holland und Deutschland.

Seit dieser Zeit häufen sich die Aktivitäten auffallend, so dass der Satz, Julio Cobelli sei einer der am meisten “gebuchten” Tangogitarristen, nicht ganz weit hergeholt scheint. CD-Aufnahmen mit diversen Gesanggssolisten, Teilnahme an Folklore- und Tangofestivals, Lehrtätigkeiten wie z. B. in Rotterdam im Anschluß an Konzerte in Holland, ein erster Aufenthalt mit seiner Musik auf dem afrikanischen Kontinent, in Angola, die Zusammenarbeit mit dem großen Star aus Argentinien, Leon Gieco, weitere eigene Aufnahmen, seine Tätigkeit als Musiker und Komponist in Filmen aus Uruguay…

Julio Cobelli - German Prentki Die Aufzählung wird hier so vielfältig, dass sie den Rahmen dieser kurzen Würdigung sprengt! Germán Prentki, Cellist aus Uruguay mit festem Engagement in Siegen, spielt mit ihm im Duo ein Konzertprogramm, das er in diesem Jahr zum zweiten Mal in Deutschland anbietet. Die Konzerte finden im Mai in Siegen, Marburg, Arolsen, Essen, Moers und Wuppertal statt, weitere Termine mögen sich inzwischen noch ergeben haben. Das Konzert in Essen empfehle ich allen Interessierten aus der Region, denn es ist das am besten erreichbare für Ostwestfalen oder Münsterländer. Es findet am 19. Mai 2009 in dem alten Bürgermeisterhaus in Essen- Werden statt.

Julio Cobelli lebt in Uruguay zusammen mit seiner Lebensgefährtin, der Sängerin und Gitarristin (“Payadora”) Mariela Acevedo, mit der er natürlich auch oft auf der Bühne steht und international auf Tournee gewesen ist. Wir wünschen ihm für seine vielseitigen musikalischen Unternehmungen die Energie und Kraft und Gesundheit, die er dazu benötigt, weiter für den Tango oder die Folklore seiner Heimat tätig sein zu können! Alles Gute für viele weitere Jahre und, wie die Gitarristen sich immer wünschen: ¡¡Sigamos guitarreando, sigamos tocando!!

Ich empfehle: Nicht verpassen und hingehen!

Text von Martin Hallier
Photos: Pressefotos


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Stefan Grasse – Adios Nonino [CD]

dandy • 1. Oktober 2008 • CD der Woche
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CD

Im Grossstadtdschungel prägnanter Stammtischparolen wildernd, würden Halbsätze wie „Hammersound“, „präzise und schnell wie Al di Meola“ und „samtig wie Heidi Klums Haare“ klar ins Schwarze treffen. Doch nach wildern ist mir nicht.

Statt dessen sitze ich entspannt auf der Terrasse und lausche bei einem gut gekühlten 2007er Regaleali Bianco den ersten Tönen der CD „Adios Nonino“ von Stefan Grasse. Nicht zufällig spiele ich den dritten Titel – Adios Nonino – zuerst. Schon immer haben mich Variationen fasziniert. Beim Wein ebenso wie bei der Musik. Oft leiden Variationen von „Adios Nonino“ unter dem Entfall des Bandoneón und präsentieren sich als bessere Version von „Jugend versucht sich an der Gitarre“. Farblos eben.

Stefan Grasse dagegen powert mit seinem Septett derart, dass niemand das Bandoneon wirklich vermisst. Gestrichene und gezupfte Geigen übernehmen mehr als virtuos den Part desselben.

Mit dem zweiten Schluck perlt eine feine Säure über meine Zunge während von Stefan Grasses Gitarre feinste Akkorde in meine Ohren perlen, angereichert mit einem jazzigen Bass und brilliant hamonierender Percussion.

Grasse arrangiert Piazzollas Bandoneon Hamonien so geschickt um, dass ein permanenter Wechsel der Instrumente für eine durchlaufende Melodielinie sorgt. Einfach genial. So ganz nebenbei ist Stefan Grasse ein dezenter Virtuose. Der Geniesser unter den Hörern wird all die technischen Fähigkeiten hören und sich an ihnen erfreuen. Der Romantiker wird eher den Gesamteindruck lieben: Fein, differenziert, samtig und niemals lieblich. Mit einem Hauch von Säure. Sprach ich jetzt eigentlich von der CD oder vom Wein?

Allein über Grasses Version von „Adios Nonino“ könnte man seitenweise Papier füllen, ebenso über die anderen perfekt eingespielten Titel wie Cafe 1930, La Muerte del Angel, Verano Porteno und andere.

Doch die Zeit rast vorbei, das Weinglas leer, die CD abgedudelt und ich habe so ein debiles Grinsen im Gesicht. Ob’s am Wein liegt?

Fazit

Musik zum Hören – für Liebhaber der filigranen Töne. Tanzbarkeit ist hier kein Thema. Und wer ausser seiner Affinität zum Tango selbst Gitarre spielt, sollte sich diese CD schenken (lassen). In 60 Tagen ist schliesslich Weihnachten!

Vita

Stefan Grasse, 1962 in München geboren, studierte Jazz- und klassische Gitarre bei Peter O’Mara (Jazz School München), Kurt Hiesl (Meistersinger-Konservatorium Nürnberg), Phillip Thorne (Royal Scottish Academy of Music and Drama, Glasgow) und Pepe Romero (Internationale Sommerakademie Salzburg).
Er erhielt Stipendien des Bayerischen Rundfunks, den „Guitar Challenge Prize 1991“ der Royal Scottish Academy, den „Scottish Society of Composers’ Award 1991“, den Kulturförderpreis der Stadt Nürnberg (Nürnberg-Stipendium 1996) und den Kulturpreis 2004 des Kulturforums Franken.
Seine Konzerttätigkeit führte ihn nach Schottland, England, Österreich, Ungarn, Italien, Slowenien, Tschechien, Mazedonien, Australien, China und den USA (mit dem “Concierto de Aranjuez”).
Neben seiner Tätigkeit als Konzertgitarrist und Musikproduzent ist Stefan Grasse künstlerischer Leiter der “Nürnberger Gitarrennächte” sowie Lehrbeauftragter an der Universität Erlangen-Nürnberg.

CD – Hörprobe und Kauf

Schau auf unsere Hörprobenseite, dort findest du mehr.
Kaufen kann man die CD beim Label, also bei Galileo.

- Daniel Diegert -


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Open Air Tango Argentino Nacht am Kanal & Kulturspeicher Dörenthe / Ibbenbüren

un loco • 16. Juli 2008 • Termine
8. August 2008
19:30
eTango (Pressetext) Open Air Live-Musik von ‚etango’

Die neue Tango-Formation aus Osnabrück kann mit ihrer Kombination aus Beats und Tango-Themen vor allem auch die Tango-TänzerInnen begeistern. Populärster Vorreiter ist das französische ‘Gotan Project’, von denen auch einige Adaptionen auf dem Programm der Formation ‘etango’ stehen. Das Quartett aus Osnabrück kleidet außerdem diverse Tango-Klassiker in neue Tanz- und Klanggewänder.
Kommt, hört und tanzt!

Musiker: Arne Bense (Beats), Ingo Daus (Gitarre), Martin Gehrmann (Akkordeon), Oliwia  Zyta (Violine).

Anschließend kann bis in die Nacht hinein getanzt werden. Die Musik legt Oliver für Euch auf. Mit dem Kanal-Hafen haben wir eine einzigartige Atmosphäre für Euch ausgesucht. Es gibt Tapas, spanischen Wein und es wird extra ein Tanzboden aus Holz aufgebaut.

Kulturspeicher (Das ganze Kunstsommer-Programm in Dörenthe läuft auf Spenden-Basis. Deshalb wäre es super, wenn wir als Tango-Tänzer/Tänzerinnen unsere eigene Veranstaltung sponsern würden. Wir haben einen Beitrag von  €10,- pro Tänzer/Tänzerin vorgesehen (AK €12,-). Aus den Einnahmen werden wir den Tanzboden und die Band finanzieren. Ihr könnt entweder direkt Karten bei Oliver kaufen oder den Betrag bis zum 01.08.2008 auf folgendes Konto überweisen:

Förderverein Dörenthe Kulturspeicher e.V.
Konto 44 08 66 00
BLZ   403 619 06
VB Tecklenburger Land

unter Betreff schreibt Ihr bitte: Tango

Die Impressionen vom Kulturspeicher machen wirklich Lust auf mehr.
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Die Veranstaltung beginnt
ab 19.30 Uhr im
Kulturspeicher Dörenthe
Hafenstrasse 14
49479 Ibbenbüren
(vom Lotter Kreuz aus in ca. 20 Min. zu erreichen)

Bei Regen findet die Veranstaltung im Gebäude des Kulturspeichers statt.

Es freuen sich

Andy, Barbara und Oliver
Tango Media Luna &
Tango Arte

Info: oliver_konen@yahoo.de oder Tel.: 0541-8003357

Lageplan und Anfahrtskizze wie immer auf der  google-maps-Karte “Tango in Deutschland

Suchbegriffe : Milonga, Tanzveranstaltung, etango, Salon, open Air, openair, Kulturspeicher, hafen, dörenthe, dörente, ibbenbüren


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Wer ist Soledad Sacheri?

un loco • 17. Mai 2008 • Talentsucher

soledad_sacheri.jpegAuf der Suche nach Informationen zu Piazzollas “Años des Soledas”, ein Titel den er 1974 zusammen mit Gerry Mulligan in Italien einspielte, fütterte ich die Suchmaschine Google mit “Piazzolla Soledad” und war mehr als überrascht auf dieser legalen Musikplattform zu landen. Künstler können dort Ihre Titel, meist in Demolänge von 30 Sekunden, anbieten.

Die Suche hatte mich dorthin geführt, weil eine junge Sängerin namens Soledad Sacheri einen Titel Piazzollas singt. Soweit, so gut. Sieben Tangomusikstücke bietet sie dort in voller Länge zum Hören und zum Download an.

Was soll ich sagen. Beginnen wir den drei Klassikern Mi Buenos Aires Querido, Uno und El Choclo. Soledad Sacheri belebt diese angestaubten Musikstücke mit kristallklarer, weiblicher jedoch kräftiger Stimme. Die instrumentelle Begleitung besteht wechselnd aus Klavier, Bandoneón, Geige und Gitarre.

Tinta Roja ist mir als Version Alfredo Zitarrosas bekannt. Im Vergleich dazu singt sie geradezu fröhlich, jedenfalls ohne Pathos. Um gleich bei der Fröhlichkeit zu bleiben. Mit Canaros Milonga Se Dice De Mi landet Soledad Sacheri einen Volltreffer. Ihre Version bringt den verschnarchtesten Milonguero auf die Tanzfläche und Fröhlichkeit auf die Gesichter der Zuhörenden.

Viele Sängerinnen versuchten sich bereits an Los Pajaros Perdidos, doch nach meinem Eindruck rutschen sie oft ins pathetische, teilweise gar schmalzige ab. Nicht so Soledad Sacheri. Auch hier besticht ihre Interpretation durch Klarheit, Brillianz und künstlerischen Ausdruck.

Volver, von der Nachtigall der Pampa , Carlos Gardel in den Tangohimmel erhoben und auf Grund des grossen Respekts vor Gardel nur von wenigen als Tango Canción interpretiert, wurde in den letzten Jahren gleich von zwei jungen Frauen bestens stimmlich umgesetzt. Über die Flamenco Version Estrella Morentes als stimmliches Double Penelope Cruz’ im Film Volver berichteten wir bereits an anderer Stelle. Soledad Sacheri schafft es auch hier mühelos, die Atmosphäre des Originals in die Neuzeit zu transportieren.

Trotz intensivster Recherche konnte ich über Frau Sacheri nichts in Erfahrung bringen. Die bereits erwähnte downloadseite hält ein paar nicht nennenswerte Floskeln bereits. Keine emailadresse. Kein Telefonnummer. Kein Plattenlabel. NIX. Sehr bedauerlich.

Hörproben sowie die kompletten Songs in Eins-A-Qualität legal zum download gibts hier. Viel Spaß beim Hören und Tanzen.



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Balada para un loco (Gitarre)

un loco • 1. Mai 2008 • VideoClips

Als erklärter Freund der “Balada para un loco” präsentiere ich hier einige Versionen für Gitarre. Eine sehr gefühlvolle für zwei Gitarren mit gesprochenem Text und Gesang. Die zweite zeigt einen ambitionierten Hobbygitarristen beim Einüben des Liedes. Es ist völlig “wurscht”, daß im zweiten Video die Ton- und Bildqualität eher der Kategorie – pardon – beschissen zuzurechnen ist, denn der Gitarrist ist beim Üben in die Musik eingetaucht und lässt uns daran teilhaben. Da juckt es mich in den Fingern, die Klampfe aus der Ecke zu nehmen und selbst zu spielen…

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Balada para un loco – Ramón Regueira and Angel García Arnés

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César Amaro plays Balada para un loco from Piazzolla

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Nachtrag: Hier gibt’s noch eine Gitarrenanleitung für den dritten Teil der Balada.
Auf der Youtube Seite des Gitarristen gibt es noch weitere Anleitungen.

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Nachtrag 2: Noch eine ambitionierte Version


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Gary Moore – Plagiatsvorwurf: Still got the blues – Ein Tango?

un loco • 1. April 2008 • Historisches, Skurril

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(Eilmeldung: ma lena) Gantael Dango, aus Sachsen stammender Labelmanager der Wergin Records hat gestern Abend kurzfristig seinen Stuhl räumen müssen. Wie aus gut unterrichteten Kreisen bekannt wurde, hat der Rausschmiss seine Ursache offenbar im aktuellen Plagiatsvorwurf gegen Gary Moore, wegen der Gitarrenmelodie des Titels “Still got the Blues”. Das Verfahren gegen Moore läuft derzeit vor dem Landgericht München.

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Melingo – Maldito Tango [CD]

un loco • 14. März 2008 • Gut aufgelegt

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Ein Diamant für weniger als 20 Euro!

Am 4.April wird die neue Scheibe von Daniel Melingo in Deutschland veröffentlicht werden. Nun, dieser Kerl hat bisher alle möglichen Attribute erhalten, meist liest man vom Tango-Punk und von einer Stimme wie Tom Waits. Mir ist das egal; ich höre die CD vorurteilsfrei.

Furztrocken, ohne technischen Schnickschnack erreichen mich die ersten Töne von “En un Bondi Color Humo”, mit denen gleich wieder der Schelm durchschimmert. Eine Musik, mit einer Fröhlichkeit wie man sie zum Beispiel mit dem Soundtrack zum thematisch sehr traurigen Kinofilm “Zug des Lebens” assoziiert. Zigeunermusik eben, so hätte man es früher genannt. Gipsymusik, heute? Naja, nicht wirklich. Um genau zu sein, hat er eine Milonga geschickt in diese Musik verpackt.

“Julepe en la Tierra” kommt mit gleicher Fröhlichkeit daher. “A Lo Magdalena”, ein Tango, ist handgemachte Musik, mit französischem Akzent. Klingt ein bisschen nach “El Motivo”, es stellt sich mir die Frage wer die quäkige Stimme singt und ob es sich dabei um eine Persiflage handelt. “Se Igual”, ebenfalls ein Tango und genau wie der Vorgängertitel gut tanzbar, lässt uns wieder an die vielen Seine-Brücken denken. Die Stimme ist ohne Zweifel das Besondere an den bisherigen Titeln. Ich will mich nicht in die Schlange der Tom-Waits-Vergleicher einreihen, aber die Stimme ist schon, Verzeihung, geil.

Kaum habe ich diesen Satz geschrieben folgt das erste instrumentale Stück, “Luisito”, das es in sich hat, es marschiert, Melingo pfeift, das Saxophon singt. Na bitte, so soll es sein. Tango der Herz und Beine trifft.

Grad hab ich mich eingehört und glaube den restlichen Verlauf der CD erahnen zu können, da straft Melingo mich gnadenlos ab. “Chadigo” beginnt wie eine der zahlreichen von Gitarren getragenen Milogas, wie z. Bsp Zitarrosa unzählige gespielt hat, aber bereits nach einigen Takten schimmert die Westerngitarre – “Spiel mir das Lied vom Tod” lässt grüssen – gnadenlos durch. Mönchsgesang trägt den Titel weiter zu einem Heavymetall Riff, das allerdings auf der Bratsche ertönt. Beim zweiten Hören stelle ich fest, daß unter die Bratsche tatsächlich eine Bratgitarre á la Metallica gemischt wurde. (ob die Bratsche daher ihren Namen hat?)

“Pequeño Paria” beginnt mit psychedelischen Tönen, wie die sehr frühen Pink Floyd. Doch schon nach wenigen Momenten trägt mich das Schlagzeug weiter zum A-capella-Chor. Südamerikanische Gospelgesänge sind schlafmützig gegen das, was Daniel Melingo und seine Freunde hier bieten. Ich kann nicht anders. Mein ganzer Körper wippt im Rhythmus der Musik, die sich mittlerweile zum A-capella-Gesang gesellt hat. Mann, diese Stimme fängt einen wirklich ein! Wie nicht anders zu erwarten, schliesst der Titel mit psychedelischen Effekten. Keine “Bügelmusik” für meine Frau.

Mit “Mont Martre de Hoy” kehren wir zum guten, alten Tango zurück. Gitarre, Geige, Bandoneon und Klarinette bestimmen das Bild. Darin eingebettet, eine Stimme die man unter Tausenden erkennt. Doch halt, die Geschwindigkeit täuscht einen Tango vor -der Scharlatan singt in Wirklichkeit eine langsame Milonga. “Cuando la Tarde de Inclina” verwöhnt uns ebenfalls mit all den Zutaten, die einen guten Tango kochen lassen. Umrühren. Fertig! Melingo hat Alles bestens abgeschmeckt.

“Eco il Mondo” ist, um im Bild zu bleiben, eine Nachspeise, die manchem schwer im Magen liegen wird. Mit über zwölf Minuten nicht gerade kurz, zeichnet Melingo Stimmungen. Mit seiner Stimme. Mit dem Kontrabass. Und mit Vogelgezwitscher. Minutenlang. Zuerst ist mir der Titel wegen des Vogelgezwitschers ziemlich auf die Nerven gegangen. Ja, das kommt davon, wenn man zu rezensierende Platten im Auto auf dem Weg zum Kunden hört. Mittlerweile habe ich den Titel auf einer ordentlichen Steroanlage gehört. Nun, er gefällt mir jetzt besser. Mim, eine befreundete Redakteurin hat mit ihrer Sichtweise ebenfalls dazu beigetragen, den Titel besser zu verstehen. Ich will Ihrer Schilderung nicht vorgreifen, daher freue ich mich schon jetzt auf ihre Rezensierung auf www.panchotango.at .

Die letzten Töne dieser konzeptartigen CD verhallen im Wohnzimmer. Was bleibt mir nun als Fazit? Das ganze Melingo-ist-der-Punker-der-Tangoszene-Gequatsche trifft aus meiner Sicht, zumindest für diese CD in keinster Weise zu. Melingo ist ein Künstler mit ernsten Ambitionen, möglicherweise gar mit politischen, denn in “Pequeño Paria” singt er von verlorenen Kindern. Die Übersetzung des Textes reiche ich noch nach. Seine Musik ist mal fröhlich, mal ernst. Immer authentisch, handgemacht, meist eher trocken, ohne grosse Studioeffekte abgemischt. Es gelingt Melingo mit dieser CD der Tangokultur elf weitere Titel hinzufügen. Jeder ein Unikat. Auch ohne Melingos Stimme haben die Titel einen eigenen Character. Mit seiner Stimme sind es nicht einfach Unikate. Es sind Diamanten. Seine Arrangement sind auf das Wesentliche reduziert und dennoch sehr detailgetreu inszeniert. Es sind nicht immer glatte und althergebrachte Harmonien, die Melingo uns präsentiert. Gelegentlich verlässt er die ausgelatschten Pfade der Tangoharmonien, bedient sich in anderen Genres. Trotzdem, irgendwie denke ich beim zweiten, dritten Hören: “Ja, so fühlt es sich gut an!”.

Diese CD markiert einen Meilenstein in Melingos Biographie und legt die Messlatte für anspruchsvollen, eigenständigen, zeitgenössischen Tango in schwindelnde Höhen. Insgesamt stelle ich fest, daß Melingo einer Strömung des neuen Tango zuzurechnen ist, die weder mit Tanghetto, Bajofondo oder Otros Aires noch mit Fernando Otero und schon garnicht mit den üblichen Orchestra Tipica kompatibel ist. Es ist spannend zu beobachten, daß Tangomusik lebt, sich weiterentwickelt und in unterschiedliche Strömungen divergiert.

Sobald die CD draussen ist, sollte sich jeder für kleines Geld einen dieser Diamanten sichern. Wer will kann sich die Collection persönlich auf der Deutschlandtournee vorführen lassen.


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Café 1930 – Piazzolla – Gitarre und Querflöte

un loco • 13. März 2008 • VideoClips

cafe1930_querfloete.jpg

Zu dieser schön intonierten und leider gekürzten Fassung konnte ich die Interpreten nicht ermitteln. Dennoch eine hörenswerte Version.


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