Stefan Grasse – Adios Nonino [CD]

Von dandy • 1. Oktober 2008 • Kategorie: CD der Woche
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CD

Im Grossstadtdschungel prägnanter Stammtischparolen wildernd, würden Halbsätze wie „Hammersound“, „präzise und schnell wie Al di Meola“ und „samtig wie Heidi Klums Haare“ klar ins Schwarze treffen. Doch nach wildern ist mir nicht.

Statt dessen sitze ich entspannt auf der Terrasse und lausche bei einem gut gekühlten 2007er Regaleali Bianco den ersten Tönen der CD „Adios Nonino“ von Stefan Grasse. Nicht zufällig spiele ich den dritten Titel – Adios Nonino – zuerst. Schon immer haben mich Variationen fasziniert. Beim Wein ebenso wie bei der Musik. Oft leiden Variationen von „Adios Nonino“ unter dem Entfall des Bandoneón und präsentieren sich als bessere Version von „Jugend versucht sich an der Gitarre“. Farblos eben.

Stefan Grasse dagegen powert mit seinem Septett derart, dass niemand das Bandoneon wirklich vermisst. Gestrichene und gezupfte Geigen übernehmen mehr als virtuos den Part desselben.

Mit dem zweiten Schluck perlt eine feine Säure über meine Zunge während von Stefan Grasses Gitarre feinste Akkorde in meine Ohren perlen, angereichert mit einem jazzigen Bass und brilliant hamonierender Percussion.

Grasse arrangiert Piazzollas Bandoneon Hamonien so geschickt um, dass ein permanenter Wechsel der Instrumente für eine durchlaufende Melodielinie sorgt. Einfach genial. So ganz nebenbei ist Stefan Grasse ein dezenter Virtuose. Der Geniesser unter den Hörern wird all die technischen Fähigkeiten hören und sich an ihnen erfreuen. Der Romantiker wird eher den Gesamteindruck lieben: Fein, differenziert, samtig und niemals lieblich. Mit einem Hauch von Säure. Sprach ich jetzt eigentlich von der CD oder vom Wein?

Allein über Grasses Version von „Adios Nonino“ könnte man seitenweise Papier füllen, ebenso über die anderen perfekt eingespielten Titel wie Cafe 1930, La Muerte del Angel, Verano Porteno und andere.

Doch die Zeit rast vorbei, das Weinglas leer, die CD abgedudelt und ich habe so ein debiles Grinsen im Gesicht. Ob’s am Wein liegt?

Fazit

Musik zum Hören – für Liebhaber der filigranen Töne. Tanzbarkeit ist hier kein Thema. Und wer ausser seiner Affinität zum Tango selbst Gitarre spielt, sollte sich diese CD schenken (lassen). In 60 Tagen ist schliesslich Weihnachten!

Vita

Stefan Grasse, 1962 in München geboren, studierte Jazz- und klassische Gitarre bei Peter O’Mara (Jazz School München), Kurt Hiesl (Meistersinger-Konservatorium Nürnberg), Phillip Thorne (Royal Scottish Academy of Music and Drama, Glasgow) und Pepe Romero (Internationale Sommerakademie Salzburg).
Er erhielt Stipendien des Bayerischen Rundfunks, den „Guitar Challenge Prize 1991“ der Royal Scottish Academy, den „Scottish Society of Composers’ Award 1991“, den Kulturförderpreis der Stadt Nürnberg (Nürnberg-Stipendium 1996) und den Kulturpreis 2004 des Kulturforums Franken.
Seine Konzerttätigkeit führte ihn nach Schottland, England, Österreich, Ungarn, Italien, Slowenien, Tschechien, Mazedonien, Australien, China und den USA (mit dem “Concierto de Aranjuez”).
Neben seiner Tätigkeit als Konzertgitarrist und Musikproduzent ist Stefan Grasse künstlerischer Leiter der “Nürnberger Gitarrennächte” sowie Lehrbeauftragter an der Universität Erlangen-Nürnberg.

CD – Hörprobe und Kauf

Schau auf unsere Hörprobenseite, dort findest du mehr.
Kaufen kann man die CD beim Label, also bei Galileo.

- Daniel Diegert -


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