Putumayo – Tango Around the World [CD]
Von un loco • 17. November 2008 • Kategorie: Gut aufgelegt •
Bock auf ‘ne Tangoreise und nur zwanzig Euro in der Tasche? Macht nix! Mit dieser CD bist du auf dem besten Wege zum kosmopolitischen Tanguero / Tanguera. Also bitte Tickets und Passport bereithalten!
Die Reise startet im Senegal mit OUSMANE TOURE, der nach dem tragischen Unfall seines Bruders diesen einige Jahre als Frontsänger in der Afro-Pop-Gruppe Touré Kunda vertrat. Die Auskopplung „Dimba“ von Ousmane Toures Soloalbum stellt die musikalische Einleitung zu unserer kleinen Weltreise dar. Vom brüllend heissen Senegal geht es weiter ins ebenso heisse Finnland, zumindest was den Tango oder den Vodkaverzehr angeht. Für Erkundefreaks „Merke: Finnland – rechts von Schweden.“ Ja, es geht zu M.A.Numminen, dem Kaurismäki der dortigen Tangoszene. Neben seinen, meist mit deutschen Texten versehenen Tangotiteln schreibt er auch (Tango)Bücher. „Kangastus“ , intoniert mit dem Neo Rustic Tango Orchestra, ist ausnahmsweise mal eine schöne Instrumentalnummer, die ebenso schwermütig klingt wie finnischer Vodka schmeckt.
Weiter bringt uns das Weltreise-Allround-Ticket nach Buenos Aires, zu Daniel Melingo. Unser Transportmittel hätte uns genausogut nach Spanien tragen können – nur für Erdkundefreaks: ein südeuropäischen Land unterhalb Frankreichs – denn dort hat Daniel Melingo ebenfalls eine Zeit gelebt. Der Titel „Leonel El Feo“ , ein Loblied auf den Tanguero Edmundo Rivero verklingt nicht, ohne uns einen indischen Stempel – in Form einer ins Arrangement geschmuggelten Tabla – zu hinterlassen: Genau hinhören! Mehr zu Daniel Melingo gibt es in anderen Beträgen diesen Magazins zu lesen. Also hechten wir zur Brasilianerin Fortuna, die uns nach der Veröffentlichung diverser Alben mit Klezmer, jiddischen Liedern und Ladino-Liedkunst jetzt mit einem schönen Tangoklezmer erfreut: Ihr „Tango Idishe“ basiert auf „Spiele mir a Liedele in Jiddish“.
Von dort wieder zurück nach Buenos Aires, zum Gitarristen, Composer und DJ Federico Aubele, dem Porteño, der es begnadet gut versteht, Tango mit Chill zu mischen, ohne daß der so entstehende Salat ungeniessbar wird und der – armer Kerl – noch dazu mit seiner Haarpracht aussieht wie die südamerikanische Ausgabe Atze Schröders. Bereits sein Erstling, erschienen bei den Machern der Thievery Corporation, war herausragend; auf seiner zweiten Scheibe„Panamericana“ findet sich „Pena“, so eine Art Tango-Bolero. Puhh, kleine Pause? Nein, also weiter! Sverre Indris Joner, Pianist, Composer und Producer lockt uns mit Electrocutango nach Norwegen – links von Schweden. Seit seinem Studium in Oslo ist er Latin-Music-Lover; in Havanna perfektionierte er sein Können und Wissen. Heutzutage spielt er ausserdem noch bei Tango for 3. Sein Titel „Felino“ kommt eindeutig, wie nicht anders zu erwarten, aus der Elektotango-Ecke.
Souflaki und Tzaziki mögen grundsätzlich die Leibspeisen des Duos „Alexis kalofolias und Thanos Amorginos“ sein. Ihr Titel „Gia Ligo“ entfaltet da andere Duftnoten: Loops von Danae Sratigopoulou aus dem Jahre 1948, grooviger Beat, weitere Gewürze a la Art of Noise. Lecker! Der serbische Sänger und Gitarrist Novi Sad lockt uns durchaus mit landestypischen Zutaten in sein Land; dazu spanische, russische und sogar indische Klänge aus Klarinetten und Trompeten, gepaart mit orientalischen Rhythmen, „Gipsy Tango“ eben. Liana kommt aus Portugal, wohnt und arbeitet in ihrer Lieblingsmetropole London. Dort hat sie ihr Album fado.pt erstellt und lässt uns gern daran teilhaben. Ihr Beitrag zur musikalischen Weltreise, “Estrela Da Tarde” (Abendstern), ein Hybrid aus Fado, Tango, Elektro und mehr weiss auf Anhieb zu gefallen.
Auf nach Paris, um dort einen Argentinier zu treffen und zu hören: Juan Carlos Cáceres gräbt die Murga, einen Vorläufer des Candómbe, die wiederum Vorläufer der Milonga, die wiederum Vorläufer des Tango… Ach lassen wir das. Jedenfalls gräbt er diesen spannenden afrikanischen Tanz aus, um ihn in gefälliger Form zu präsentieren. Stimme wie Melingo, Rhythmus wie Milonga, Na prima. Jetzt nochmal über’n grossen Teich , ab nach Argentinien zu Hugo Diaz, dem Mann, der statt eines Bandoneons eine Mundharmonika benutzt um den Tango zu weinen. „Mi buenos Aires querido“, um genau zu sein.
So, Passport voller Stempel, tolle Musik im Kopf und in den Beinen, nicht mal 20 Euro bezahlt. Was will man mehr?
Weitere Hörproben gibt’s wie immer bei DyM.
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