Im Fokus

La Salida: Die Gitarren sind wieder da

paul • 10. März 2010 • Im Fokus

Die Gitarren sind wieder da

Ein Artikel von Jean Luc Thomas
veröffentlicht in La salida Nr. 54 / Juni – September 2007

Die Renaissance des Tango hat in vielen Milongas die Flamme der Orquestas Típicas wieder entfacht. Aber der Hang zur Nähe und Intimität, den dieses Genre mit sich bringt, bewirkte auch ein Aufblühen der Gitarren. Voilà, da sind sie!

Natürlich assoziiert man die näselnde Klagestimme des Bandoneón mit dem Tango, aber wie es ein Freund in Bezug auf die Folklore Argentiniens behauptet, klingt es so:“ Schüttelst Du einen Baum in Argentinien, fallen jede Menge Gitarristen herunter…“ Diese scherzhafte Bemerkung weist auf die Bedeutung dieses Instruments hin, nicht nur im Tango, sondern in der gesamten Folklore- Musik, bei der der Tango da und dort manches entlehnt hat. Manch ein Tango- Gitarrist durchlebt übrigens nicht selten eine Art von musikalischem Doppelleben, oft kehrt er irgendwann zurück zu jener Folklore, aus der er einst zum Tango gekommen ist.

Es ist so: Sie gehört mitten in den Tango- Bilderbogen, die Gitarre, die Carlos Gardel im Arm hält, das Instrument, das jener abgewiesene Liebhaber aus „Mi noche triste“ in den Schrank gesperrt hat; an diesen Bildern führt ebenso wenig ein Weg vorbei wie an der frisch angezündeten Zigarrette in den Händen der Statue von Carlitos auf dem Friedhof von la Chacarita. Man muß die Geschichte nicht neu schreiben:  Die Gitarre im Tango gibt es eher als das Bandoneón! Sie ist Teil der ersten Trios aus Gitarre, Flöte und Geige und seiner zahlreichen Varianten, an sie schmiegen sich die Hände der Payadores, der Volkssänger, lange bevor das Tango- Lied entstand, aber auch danach bleibt sie ebenso unentbehrlich, als etwa das Duo Gardel- Razzano jene neue Ausdrucksform verbreitet, die „den Tango von den Füßen zu den Lippen erhebt“ (Discépolo).

Die Gitarre wird zur Gefährtin des Troubadours, zur Freundin, zur Vertrauten des Tangosängers, bevor noch das Bandoneón mit tieferem Echo, seiner kräftigeren Stimme, seinem männlicheren, markanten Klang zu imponieren beginnt.

Es ist wohl auf die Entwicklung der Orchester zurückzuführen, die Nelly Omaraus ihrer Besetzung die Gitarre ausgeschlossen hat: Ihre fehlende Lautstärke (vor der elektrischen Verstärkung der Instrumente) hat sie in den Jahren der Goldenen Epoche gegen Ende der 30er Jahre an den Rand gedrängt. Erst Mitte der 60er Jahre haben Bartholomé Palermo und Roberto Grela die Gitarre von neuem geadelt, in kleinen Ensembles oder zur Begleitung von Sängern und Sängerinnen wie Nelly Omar oder Rubén Juárez, die Grela begleitete, oder Palermo als Begleiter von Edmund Rivero (selbst Gitarrist!) im „Viejo Almacén“; Juanjo Domínguez wurde legendärer Begleiter von Roberto „El Pólaco“ Goyeneche. Hier wären noch etliche Gitarristen zu nennen, die Sänger wie Podestá, Echagüe oder Marcel begleitet haben, bis zur endültigen Schließung des legendären Clubs Caño 14 im Jahr 1984.

Das Quintett von Astor Piazzolla hielt der Gitarre jedoch einen Platz frei: Oscar López Archtop Jazz Guitar o DeckelRuiz und Horacio Malvicino sind namentlich diejenigen, die die sechs Saiten im besten Sinne des Klangkosmos des Maestro zum Klingen gebracht haben. Elektrisch verstärkt, bietet die Gitarre mehr an Perkussion für den Rhythmus und kann darüber hinaus Soli und halbsolistische Einlagen, Riffs etc. beisteuern, ohne vom Ensemble überdeckt zu werden. Ein Platz auch beim herausragenden Quinteto Real, wo die enge Komplizenschaft des Pianisten Horacio Salgán mit dem Gitarristen Ubaldo de Lío sich bestens inspirierend auf die übrigen Musiker des Quintetts überträgt…

Als das Abenteuer des ersten Quinteto Real zu Ende ging (später, im Jahr 1999 gab es noch eine neue Zusammenstellung unter diesem Namen), war das Duo Salgán – De Lío noch lange nicht am Ende damit, den Dialog Bandoneón- Piano [Pedro Laurenz!] weiter zu entwickeln, während Aníbal Troilo mit Roberto Grela im Duo bzw. in einer Quartettbesetzung Aufnahmen zu machen begann /in den Jahren zwischen 1953 und 1969!). Dies geschah auf dem Hintergrund der Krise und des fortschreitenden Verschwindens der Orquestas Típicas, was auch bei Leopoldo Federico, dem erfolgreichen Orchesterleiter und Bandoneonisten, dazu führte, dass er sich ebenfalls in kleiner Quartettbesetzung, aber höchster musikalischer Qualität, mit Roberto Grela zusammenfand.

Im Verlauf der großen Bewegung der Wiederentdeckung und Wiederbelebung des Tango ist schließlich die Gitarre – akustisch- unplugged oder elektrisch verstärkt – wieder in Mode gekommen, und zwar sowohl in der Gesangsbegleitung als auch in der Orchesterbesetzung, soweit es sich nicht ohnehin um Solo- Gitarristen handelt. Die Tradition der kreolischen Gitarre bei Gardel und des zur Gitarre gesungenen Repertoires ist auch nicht vergessen:

Die überraschende Vorstellung eines im übrigen sehr professionell vermarkteten Albums von Cristóbal Repetto bei Universal im Jahr 2004 (sehr schönes Repertoire, mit nicht zu leugnender guter Bühnenpräsenz vorgetragen, ob man das absichtliche, gekünstelte nasale Timbre im Stil der 30er Jahre mag oder eher ablehnt), hat die traditionelle Gitarrenbegleitung zweifellos auch wieder ins Rampenlicht gerückt.

Dies soll aber nicht unterschlagen, dass es ebenso lobenswerte Brian ChambouleyronInterpretationen von Gitarristen- Sängern gibt. Zum Beispiel das Album „Guitarra y voz“ von Brian Chambouleyron, das von einer extremen instrumentalen Finesse ist (2006). Dieser gebürtige Pariser, aber dennoch durch und durch Argentinier, stets am Repertoire der 20er oder 30er Jahre, hat seine Arbeit zunächst in den Bühnenspektakeln Recuerdos son recuerdos oder Glorias Porteñas eingebracht, bevor er sich an eine solistische Karriere machte.

Er war es, der in Buenos Aires im Café „La vaca profana“ vergangenen Oktober einige Abende voller raffinierter Emotionen erleben ließ, indem er die Feinheit seines Gesangs mit gitarristischer Geschmeidigkeit verband. Ihm ganz ähnlich im intimen Register, aber deutlicher unterstrichen durch eine Begleitung, die mit intrumentalen Klangfarben mehr in Richtung Brasilien weist, erschien in Frankreich als Live- Aufnahme das Album des Veteranen Horacio Molina im Label von Eduardo Makaroff, Mañana (2006). Auch die Tradition der Ensembles aus Saitenzupfern erlebte eine Erneuerung durch das junge, aber dennoch sehr gereifte Quinteto Ventarrón, so wie auch durch die Ensembles 34 puñaladas (Gitarren und Gesang), Palermo 5 oder das sogar noch jüngere Trio Cataldi-Gorosito-De la Vega, deren 2. Aufnahme mittlerweile schon auf den Markt kam (Sutil tango sutil, 2007).

Unter den Gitarristen mit den besten Referenzen, die sich mittlerweile hier in Frankreich niedergelassen haben, finden wir Rudy Flores, einen hervorragender Folkloristen, der mit seinem Bruder Nini (Akkordeon) zusammen spielt, aber auch Luis Rizzo [leider unterdessen verstorben, Anmerkung d. Ü.], Adrien Politi oder den sehr elektrisch spielenden Tomás Gubitsch, alle drei in eigenen Bands aktiv, darüber hinaus aber auch Leonardo Sánchezproduktive Komponisten. Leonardo Sánchez, Gitarrist des Trío Gomina, Partner von Juanjo Mosalini jr. im Quintett und bei den Bearbeitungen des Piazzolla- Repertoires zusammen mit dem Ensemble Basse- Normandie, begleitete auch den argentinischen Sänger Jaïro in einer Aufnahme mit Stücken überwiegend von Piazolla- Ferrer, die in Frankreich produziert wurde, Jairo canta Piazzolla (2003). Ciro Pérez, ein bewährter Recke der Tango- Gitarre, schon seit 1980 in Frankreich, setzte im legendären Pariser Tango- Varieté  „Trottoirs de Buenos Aires“ einen Weg fort, der in Argentinien durch die bedeutsame Zusammenarbeit mit Roberto Grela bereitet wurde, und zuvor in seinem Heimatland Uruguay von der Zusammenarbeit mit einem nationalen Monument der Musik, Alfredo Zitarrosa, geprägt worden war. Er erschien hier in Frankreich solistisch, abgesehen von einigen Partizipationen als Studio- und Begleitmusiker, in zwei sehr schönen Aufnahmen in Trio- Besetzung: Pedacito de cielo (mit Gustavo Beytelmann, Klavier, und Roberto Tormo, Kontrabaß, erschienen bei ASPIC 1997) und erst kürzlich in Las siluetas porteñas (Cinq planètes, 2006) zusammen mit William Sabatier (Bandoneón) und  Norberto Pedreira (Gitarre und Gitarrón). [Im Duo mit dem aus Paraguay stammenden Gitarristen Vidal Rojas aus Toulouse hatte Ciro Pérez schon 1994 eine Roberto Grela gewidmete Aufnahme von Tangos auf 2 Gitarren veröffentlicht (Tango pour deux guitares, ASPIC, 1995), der in diesem Jahr, also 2009, eine neue Einspielung dieses Duos folgen soll: Revisitango (Bulls Prod., 2008). Wenn diese CD Anfang 2009 endlich in den Handel kommt, wäre ihr eine baldige Rezension zu wünschen.]

In der letzten Zeit hat sich auch Diego Trosman, ein in Marseille ansässiger argentinischerGustavo Gancedo Gitarrist, mit seiner Gruppe Yuyo Verde in der dem Tanz und der Livemusik verpflichteten Tangoszene bekannt und unentbehrlich gemacht. Gustav Gancedo hingegen, dieser überaus versierte Arrangeur und Gitarrist in zwei erfolgreichen Aufnahmen mit seinem Septett (Tango para ustedes, erschienen im Label L‘ empreinte digitale, 2002) und einer Quartettbesetzung (Aquí y ahora, 2004), ist mittlerweile zurückgekehrt in seine Heimat Córdoba, wo die Folklore dominiert und wo er selbst mit dem Duo Salteño einmal debütierte. Diese Rückkehr zu den Wurzeln unterstreicht er durch eine zuvor in Eigenproduktion entstandene Aufnahme (Guitarra argentina, 2006), bei der eben der Tango und die Folklore vermischt werden. Wir sind sehr gespannt darauf, ihn hier in Frankreich wieder zu sehen, so wie auch auf die nächste Tour von Pablo Bernard, einem Spezialisten der zehnsaitigen Gitarre, die der Interpretation der Tangos eine ganze Palette an zusätzlichen Farben in Richtung Jazz oder Tropicalismo eröffnet.

Diese zuletzt erwähnten Namen führen uns nach Argentinien, wo es abschließend nicht versäumt werden soll, einige besondere Charaktere mit Grenzgängerqualitäten zu erwähnen, große Zauberer von Stimmungen, jene Esteban Morgado, Luis Borda, Gustavo Mozzi, Arrangeure und Komponisten … und zunächst Gitarristen! Und wie könnte ich diese Betrachtung schließen, ohne an Aníbal Arías zu erinnern, den weit über 80 jährigen Veteranen, der durch das interessante Projekt von Gustavo Santaolalla Café de los maestros erst letztens wieder in die Öffentlichkeit geriet. Und an jenen Mann, der fast 30 Jahre lang beinahe unauffällig im Schatten von Mercedes Sosa wirkte, bevor er sich schließlich, mit 55 Jahren, dazu entschloß, eine Aufnahme mit Tangos auf der Gitarre herauszubringen (Tango 12): Nicolás „Colacho“ Brizuela. ■

Jean- Luc Thomas

Deutsche Übersetzung und zusätzliche Anmerkungen in [ .. ] von Martin Hallier. An dieser Stelle herzlichen Dank an die Redaktion der Zeitschrift La Salida für die Erlaubnis, diesen Artikel – und einige weitere Artikel – hier veröffentlichen zu dürfen.


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etango – una hora con la realidad [CD - 2009]

un loco • 29. Juli 2009 • Im Fokus

etango_2_1000.jpg Neue CDs zu rezensieren ist immer wieder wie Wundertüten öffnen. Man weiß nie, was man bekommt. Die junge Osnabrücker Formation etango hatte ich bereits live mit einigen Gotan-Covern sowie eigenen Stücken in Ibbenbüren gehört und gesehen. Insgesamt hatte mir der Auftritt gut gefallen, wie man hier nachlesen kann. Damals hatte die Band im Interview angekündigt, bald eine eigene CD produzieren zu wollen. Außerdem hatte man festgestellt, dass die Gotan-Cover doch eigentlich Piazzolla–Cover waren, denn die nachgespielten Gotan Titel waren allesamt aus Astor Piazzollas Nuevo Tango Zyklus zusammengetragen.

Statt also die Kopie einer Kopie zu spielen, wollten etango nun eine CD mit eigenen Bearbeitungen der Piazzolla Titel präsentieren. Ich finde, dass ist ein verdammt hoher Anspruch, für eine junge Band, die erst seit kurzer Zeit zusammen spielt, von denen übrigens (bisher) niemand Tango tanzt. Und um ehrlich zu sein, habe ich in letzter Zeit zu viele Elektrotango-Gruppen gehört, deren House-Chill-Pop-Schrott wirklich nicht zu empfehlen ist.

Nun gut. Schieben wir diese Gedanken zur Seite. CD eingelegt – ein Glas gut gekühlter Regaleali steht auf meinen Arbeitstisch – Kopfhörer aufgesetzt und  los geht’s.

Meine Güte! Schon nach wenigen Takten, die ich eher als fließende Klänge wahrnehme, schleicht sich eine angenehme downtempo Klangmischung in mein Ohr. Das Akkordeon,  Violine, Maracas, E-Gitarre, Perkussion und elektronische Klänge verschmelzen zu einen modernen Chill-Klangbild, ohne jedoch die typischen Sehnsuchtsversatzstücke des Tango zu verheimlichen. Klingt sogar tanzbar, wenngleich 40 bpm vielen Tangueros eine Menge Achse abverlangen werden (den Autor dieser Rezensierung eingeschlossen)

Mit 46 bpm ist der zweite Titel nicht viel schneller, aber insgesamt spannender. Schöne, sich abwechselnde Sequenzen aus Akkordeon, beats, E-Gitarre und Echo-Elementen schaffen einerseits eine angenehme Wohlfühlatmosphäre, andererseits erzeugen sie Spannung genug, um diesem Titel 5:28 zuzuhören, ohne einen Moment Langeweile aufkommen zu lassen.

etango_3_1000.jpg 120 beats per minute schmeißt der dritte Titel in die Klangschale. Schnell und spannend genug, um zum richtigen Zeitpunkt eine Milonga anzuheizen. Dennoch ist der beat nicht gnadenlos. Nicht House sondern guter, schneller, tanzbarer Tango ist hier die Devise. Ein Gitarrensolo mit einem Hall-Sound wie aus einem Western-Titel oder in psychedelischen Werken der ausgehenden 60er zu finden, untermauert mit interessanten beats, gekoppelt mit einer sensationellen Violine, gespielt von Christiane Kumetat. Klasse!

Titel Nummer vier , Escualo, klingt absolut wie Gotan, im positiven Sinne. Der mittenbetonte Eingangsteil – klingt wie aus einem uralten, billigen Transistorradio – die Stakatto haften, mit Echo versehenen von Martin Gehrmann produzierten Akkorde. Ja, absolut. Den Titel glaubt man schon von Gotan gehört zu haben, nur das Gotan diesen Titel nie im Programm hatten. Peinlich. Die Osnabrücker jonglieren so meisterhaft mit Tönen, Tango und Themen, dass man aufpassen muss ihnen nicht auf den Leim zu gehen. Escualo entwickelt sich weiter. Mit einem Tempo von 112 ist auch er geeignet, eine Milonga voranzutreiben.

Über den fünften Titel kann ich kaum etwas schreiben, so sehr verschlägt mir die Adaption von Oblivion die Sprache.  Einerseits wird die Atmosphäre des Originalthemas originalgetreu aufgenommen, anderseits zeigt Arne Bense einmal mehr, was die Instrumentalistenbezeichnung „Programming“ bedeutet. Unaufdringlich, spannend oszillieren einige Sequenzer Passagen um sich selbst und um den Gesang der Gastmusikerin Yvonne Werner-Mees. Einiges singt sie auf französisch, später im Stück singt sie deutsch und ja, ihre gesprochene Melancholie läßt mich sofort an Marlene Dietrich denken. Mit einem 40er beat vermutlich eine absolute tänzerische Herausforderung. Vielleicht einer der Titel, die man einfach nur hörend, fühlend genießt.

Zu Vuelvo Al Sur muss man nicht viel sagen. Viele werden die Gotan Adaption kennen, Piazzollas Original vermutlich eher weniger. Etangos Arrangement ist gut, modern, gefällig, tanzbar und muss sich nicht einen Takt, nicht mal eine Achtelnote hinter Gotan Project verstecken. Ein überaus gelungener Titel.

Hatte ich vorhin gesagt, das Arne Bense zeigt, was die Instrumentenbezeichnung „Programmer“ bedeutet. Quatsch. Was das wirklich heißt, zeigt er bei „el infierno tan temido“ in Vollkommenheit. Entweder inspiriert durch YES oder Genesis der 80er Jahre oder durch Flamencotänze, vielleicht auch durch den Gang über einen orientalischen Markt, entzündet er ein Feuerwerk abwechslungsreicher Rhythmen, das die anderen Bandmitglieder gern nutzen, um mit Gitarre, Akkordeon oder was auch immer eine spannende orientalische Stimmung zu erzeugen. Tanzbarkeit. Nun, mmhh wechselnde Rhythmen und Geschwindigkeiten legen die Messlatte recht hoch, aber wer weiß…

Der neunte Titel, Verano Porteño. Wieder so ein gute Laune Titel. „Moment Mal!“ wird der aufmerksame Leser nun rufen. „Wieso gute Laune Titel?“. Stimmt, das Original hat eher einen melancholischen Charakter. Doch etango schaffen die Transformation in die gute Laune, ohne wesentliche Elemente des Originals zu verlieren. Meisterhaft. Hammond Orgel statt Klavier. “Bratgitarre” statt Bandoneon. Einfach Klasse!

Übrigens ist “Bratgitarre” nicht die einzige Variante der E-Gitarre, die Ingo Daus meisterhaft in Szene zu setzen versteht. Mal jazzig, poppig, verspielt oder auch schnörkellos. Stets ist die Gitarre mit von der Partie. Ob dominantes Solo, Akkordbegleitung oder tragendes Arpeggio. Mit Ingo Daus (Gitarre), Arne Bense (Laptop), Oliwia  Locher (Violine), Christiane Kumetat (Violine) und Martin Gehrmann (Akkordeon) haben sich fünf virtuose, moderne Musiker zusammengefunden, denen ich zutraue, dem Tango dauerhaft neue Impulse zu geben.

Es folgt Oblivion als Instrumentaltitel. Violine, hier gespielt von Oliwia  Locher, sowie Akkordeon ersetzen Yvonnes Stimme. Beide Versionen, vokal und instrumental gefallen mir sehr gut. Vermutlich ist es stimmungsabhängig, welchem Titel man den Vorzug gibt.

Zur Abrundung gibt’s noch eine Version vom Libertango und… die Stunde ist wie im Flug vergangen.

Alles in Allem sind die Werke gut hörbar ohne zu gefällig zu sein, mit Charakter, Wiedererkennungswert und – Profil.

Danke für diese schöne Stunde Wirklichkeit.

Hörproben gibt es hier.
Zur Homepage der Band…


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El ultimo aplauso – Kinofilm [2009]

un loco • 17. April 2009 • Im Fokus, Termine
21. Mai 2009
20:00
dancers01.jpg “Der letzte Applaus” ist ein wunderbarer Dokumentarfilm, der ab dem 21.Mai 2009 in ganz Deutschland in den Kinos laufen wird. Es ist ein Film über Menschen, die den Tango als ihre grosse Leidenschaft begreifen.

Der Film erzählt die bewegende Geschichte einer vergessenen Gruppe von gealterten Tangosängern aus Buenos Aires, die jahrelang in einer der berühmtesten Tangobars der Stadt aufgetreten sind, der “Bar El Chino”. Nachdem der Besitzer der Bar 2001 unter mysteriösen Umständen starb, wurde die Bar von seiner Witwe und ihrem neuen Partner übernommen. Ein paar Wochen später war dieser lebensfrohe Ort abgewirtschaftet und verödet.

Der preisgekrönte Regisseur German Kral dokumentiert mit seinem Film ein Stück argentinischer Geschichte und einzigartiger Alltagswelt, die er über 8 Jahre hinweg beobachtet hat. Es ist ein Film über die Leidenschaft für den Tango, das Singen und die Lust am Leben, der bei seiner Premiere am Filmfestival in Hof 2008 ein absoluter Publikumshit war! “Der letzte Applaus” wird im spanischen Original mit deutschen Untertiteln zu sehen sein.

Ab dem 21.5.2009 kann man unter der Adresse http://www.kino.de/kinofilm/der-letzte-applaus/100149.html die aktuellen Spielzeiten der deutschen Kinos abrufen. In Münster wird das Kino Cinema täglich bespielt, wobei zur ersten Vorführung am 21.5.2009 der Regisseur German Kral anwesend sein wird.


Arsenal Filmverleih präsentiert
Ein Leben für den Tango
(El ultimo aplauso)
Ein Film von German Kral
Eine deutsch-argentinisch-japanische
Coproduktion, 2008,
Spanisch mit deutschen Untertiteln,
88 Minuten, 35mm, Dolby Digital 5.1, Farbe
Bundesstart: 21. Mai 2009

Links zum Film:


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Luis Borda Ensemble: Chicas de otros barrios [CD]

Gastwriter • 7. April 2009 • CD der Woche, Im Fokus

luisbordaensemble2.jpg 2008     LC 18386    enja records  9190

Nach der 2006 in Buenos Aires produzierten CD „El alba“ hat Luis Borda nun wieder in Deutschland eine CD veröffentlicht, die bei dem Jazzlabel enja Records 2008 erschienen ist, wo auch der von ihm gestaltete Soundtrack zu „12 Tangos – Adiós Buenos Aires“ erschien.

Es ist eine sehr persönliche und stimmungsvolle Aufnahme, betont Luis Borda selbst, deren Titel sich daraus ableitet, dass sich hier einige Frauen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen zur universalen Musik des Tango zusammenfinden, die alle beim Zusammenspiel so gut harmonierten, dass ihm während des Zusammenspiels die Eingebung für den Titel kam: „Mädchen aus anderen Vierteln“; das gilt nicht nur für das innige Verständnis der Sängerin Lidia Borda aus Buenos Aires mit der Cellistin Paula Pomeraniec aus Mar de Plata, das kann ebenso auch gelten für die ständigen Mitglieder des Luis Borda Ensembles, in dem sich Musiker aus Moldavien, aus der Ukraine, aus Georgien und Deutschland bzw. Argentinien zusammengefunden haben.

Es geht flott und tanzbar los mit einer Tango- Milonga, instrumental, komponiert von Luis Borda, „Ironía de salón“; passagenweise jedoch in der Zwiesprache verlangsamt, zu der sich wieder andere Stimmen gesellen und gemeinsam wieder Tempo aufnehmen, spannend und sicher nicht so ganz einfach, wenn man es tanzt. Eben wie bei dieser Form der flotten Tangos der Alten Garde aus den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts, mit den (berüchtigten) getanzten „cortes y quebradas“. Schon beim zweiten Titel kommt Lídia Borda hinzu und singt eine nachdenkliche Version von „Martirio“, einem Tango von Discépolo aus dem Jahr 1940, der von der quälenden Verzweiflung einer Verlassenen spricht, die sich nicht von der Sehnsucht nach demjenigen lösen kann, der nicht mehr kommen wird. Wir hören eine Lídia Borda mit klarer, voller, jedoch nicht pompös überladener Stimme; sie trägt diese schicksalsschweren Textinhalte sehr glaubwürdig vor. Hier wird das sentimiento, Emotion, zelebriert, solche Tangos sind eher zum Hören als zum Tanzen geeignet.

Das nächste Stück leitet über zu einer ganz anderen Epoche des Tango. Der „Tango nuevo“ von Astor Piazzolla war zunächst nicht als Musik zum Tanzen konzipiert und spaltete zu seiner Zeit die Tango-Verständigen in krasse Ablehner und wenige, sehr wenige Befürworter dieser neuen, eher intellektuellen Richtung. Astor Piazzolla hatte in New York den Jazz kennen- und liebengelernt und komponierte nach den geradezu mathematischen Regeln systematischer sinfonischer Musik, daraus entstanden zahlreiche Kompositionen wie das hier verwendete „Lo que vendrá“, das Luis Borda mit eigenen Motiven verbindet, von ihm „Fragmentos“ genannt. Hier packt er die elektrische Gitarre aus, die bei Piazzolla, wie sonst kaum beim klassischen Tango, ihren Platz im Quintett gefunden hat. Was bei Borda dabei herauskommt, ist eine Kombination des klaren und erkennbaren Motiv Piazollas aus „Lo que vendrá“ mit eigenen Jazzimprovisationen; spannend zu hören, aber sicher zum Tanzen nicht gedacht und nicht geeignet. Luis Borda versprach uns in seinem Begleittext zur CD eine Mischung aus allen Stilen des Tango; alle Formen in aller ihrer Unterschiedlichkeit sollten aber die Universalsprache der Tangomusik aufzeigen; in diesem weitgefächerten Programm, das uns von einem Stück zum anderen ein anderes Hörerlebnis und eine andere Klangfarbe eröffnet, liegt die Überraschung und die Essenz dieser CD. Hier ist nicht widersprüchlich, dass einige Motive in Abwandlung wiederholt werden, so auch das Motiv aus „Lo que vendrá“ und die „Fragmentos“ in diesem Zusammenhang.

luisbordaensemble.jpg Etwas aufgekratzt kommen wir von dem Hörerlebnis der Piazzolla-Borda- Variationen und werden durch ein gesungenes Poem sofort entspannt: „Tu ausencia“, von Lídia Borda gesungen zur Begleitung von Cello und Gitarre, nach einem Text von Pablo Marchetti, der uns leider nicht mitgeliefert wird in dem Booklet zur CD; dabei sind es doch nur zwei Texte, die uns in ihrer innigen Interpretaton faszinieren und deren Inhalt uns vielleicht verborgen bleibt, weil wir es gesungen nicht vollständig erfassen können. Wir ahnen vielleicht richtig, es geht um einen trostlosen Seelenzustand der weltentrückten Leere, wehrloser Zerbrechlichkeit nach dem Verlassenwerden. *

„Tu boca“ von Luis Borda ist ein instrumentaler Tango Nuevo, langsam und verträumt und nur von den Streichern und dem Klavier, doch ja, auch das Bandoneón ist ganz zart mit dabei, in innigem Zusammenspiel vorgetragen. Er verklingt ruhig und läßt uns mit weit geöffneten Ohren dem nachlauschen, was Luis Borda als Musik der Hände und der Seele bezeichnet.

Bei dem klassischen Tangolied von Mariano Mores und José María Contursi „En esta tarde gris“  aus dem Jahr 1941 singt wieder Lídia Borda, deren Stimme geradezu zart, ebenso wie die Violine, über den wuchtigen Kontrabasslinien schwebt, die ihrerseits von der perkussiven Gitarrenbegleitung exakt unterfüttert werden. Eben richtiger Tango mit Kraft, „mit Wumm“…  Zart darf hier nicht falsch verstanden werden werden, die Stimme von Lídia Borda ist präsent und klar, aber ein falsches Pathos fehlt und wäre wohl auch fehl am Platz bei einem Lied über diese verzeifelte Klage einer Liebenden, die an einem tristen Nachmittag von den übermächtigen Gefühlen der Erinnerung und der Reue überwältigt wird.

Loca en nubes, das nächste Stück, wieder von Luis Borda selbst komponiert, entpuppt sich als Walzer, der aber nicht tanzbar ist, weil er ein verträumtes, langsames Tempo beschreibt. Die Cellistin Paula spielt die Melodie mit elegantem Vibrato, die kammermusikalisch nur von Bordas Gitarre und sparsam vom Kontrabass begleitet wird. Ein Genuß zum Hören, und auch diese Musik ist unverkennbar Tango, was auch sonst? Später werden wir dieses Stück von Lídia Borda gesungen hören, beide Versionen machen (sehn)süchtig und gehören zu den Höhepunkten dieser gelungenen Aufnahme.

Zwei eher kontemplative Stücke werden wirkungsvoll abgelöst durch die Milonga „Nocturna“ von Julián Plaza (1961) die unmittelbar wieder für das Kribbeln in den Beinen sorgt, so sehr treiben alle Instrumente gemeinsam diese Milonga voran bis zu ihrem furiosen Finale; Maestro Luis Borda läßt hier wieder, wie schon bei älteren Aufnahmen etwa der „Milonga de mis amores“, ordentlich die Saiten knallen, so markiert er hier eine Seite des Tango, die aggressiv und treibend, lebendig und mitreissend, augenblicklich all die Melancholie und Versponnenheit vergessen lässt.

Ganz leise und beinahe schüchtern meldet sich anschließend die Violine mit einem Solo (Homenaje – die Hommage richtet sich hörbar an Astor Piazzolla), die zu einer Komposition überleitet, die Piazzolla einmal als die beste seines ganzen Lebens bezeichnet hat: Adiós Nonino, das von allen musiziert wird, auch das Bandoneón ist wieder dabei, wie könnte es bei einem Stück von Astor Piazzolla anders sein.

Bei Mar amargo, einer Komposition von Luis Borda, sind nur zwei Gitarren und ein wenig vom Kontrabass zu hören. Luis Borda spielt, wie man es in den 70er Jahren (d. ltzt. Jahrh.) von Baden Powell gelegentlich hören konnte, mit sich selbst im Duo; auch ein Tango Nuevo, aber ein ganz langsamer, der trotz des Titels recht friedlich stimmt, wenn er leise verklingt…

Zum guten Schluß dieser abwechslungsreichen und spannenden CD noch einmal die Reprise der „Fragmentos“, die zu Piazzolla hinführten; Fetzen von dessen Motiven sind auch hier wieder deutlich herauszuhören; ein abschließende Improvisation auf der Jazzgitarre, von der ganzen Band begleitet, bei dem die Pianistin wohl so etwas wie ein Fender Rhodes Piano spielt oder ein Keyboard mit Effekten, was die Bemerkung in Frage stellen würde, dass hier „ohne technischen Schnickschnack“ gearbeitet wurde. In der Tat, ich erkläre es später, wie ich zu der Aufklärung gelangte, findet hier ein Fender Rhodes und eine Hammondorgel Anwendung! Luis Borda hat hier den Sound genauso gewollt; er entspricht dem seiner ersten Rockband in den 70er Jahren „Ave Rock“!*

Luis Borda ist ein Staunender, der in der Welt herumkommt als Musiker und überall feststellt, dass der Tango in vielfältigen Ausprägungen und Adaptationen schon längst da ist. Angekommen, vertraut, und sogar vielfach „assimiliert“. So berichtet er in einer Passage, die bei der Übertragung vom spanischen Text ins Deutsche irgendwie im Seitenumbruch des Booklets hängenblieb:

… auch in „anderen Vierteln“ pulsiert der Tango, in seinen unterschiedlichsten Formen, aus unzähligen Einflüssen und in vielen Stilen, letztlich eine Musik, die in allen Kulturen jeweils eigene Wertschätzung erfahren hat; so gibt es „Türkische Tangos“, „Finnischen Tango“, „Deutschen Tango“ und auch „Tango Argentino“ usw.; es ist geradezu so, als ob sich jeder den Tango „für sich“ genommen hätte.

Auch diese kuriose Beobachtung unterstreicht wieder die Universalsprache des Tango, die uns Luis Borda mit seinem Ensemble und den herausragenden Gastmusikerinnen, Lídia Borda und Paula Pomeraniec, in dieser gelungenen Zusammenstellung präsentieren wollte; es ist ihm und den „chicos y chicas“ gut gelungen.

*NB: Die Aufklärung dieser Details, über die ich nur spekulieren konnte, und auch die Texte der beiden Lieder von Pablo Marchetti und Kristina Dengler bekam ich inzwischen von Kristina Dengler, der Frau von Luis Borda. Ich möchte auch hier noch einmal sehr herzlich dafür danken.

Martin Hallier

Hörproben zur CD gibt es in Kürze auf unserer Hörprobenseite.


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Geheimnis um Soledad Sacheri gelüftet!

Gastwriter • 14. November 2008 • Im Fokus

                               Auf unsere Frage “Wer ist Soledad Sacheri” bekamen wir ein ganzes Bündel von Einzelhinweisen. Martin Hallier ist offenbar tiefer eingetaucht und schreibt uns, daß er einige Details zur Beantwortung unserer Frage beisteuern kann.

Auch für ihn ist es nicht erklärbar, warum man nicht den Versuch gemacht hat, die CD international anzubieten. Es gab oder gibt sie nur in Buenos Aires. Lest nun hier das Ergebnis seiner Recherche:

Zur CD Tango Virtual (2006)

T A N G O   V I R T U A L
SOLEDAD SACHERI

1.     Mi Buenos Aires Querido (A. Le Pera – C. Gardel)
2.     Balada Para Un Loco (H. Ferrer – A. Piazzola)
3.     Tinta Roja (C. Castillo – S. Piana)
4.     Volver (A. Le Pera – C. Gardel)
5.     El Choclo (E. Santos Discépolo – A. Villoldo)
6.     Uno (E. Santos Discépolo – M. Mores)
7.     Malevaje (E. Santos Discépolo – J. Filiberto)
8.     Se Dice De Mí (F. Canaro – J. Pelay)
9.     Los Mareados (E. Cadícamo – J.C. Cobian)
10.     Sin Palabras (E. Santos Discépolo – M. Mores)
11.     Chiquilín De Bachín (H. Ferrer – A. Piazzola)
12.     Los Pájaros Perdidos (H. Ferrer – A. Piazzola)

Gitarre: Hernán Reinaudo
Bandonéon und Klavier: Norberto Vogel
Violine: Juan José Raczkowsky

Musikalische Leitung und Arrangements: Hernán Reinaudo (2,3,4,5,6,7,8,9,11)
Arrangements: Norberto Vogel (1,10,12)

Aufgenommen im Studio ION – Technik: Pablo Acedo
Fotos: Machado – Cicala

Diese CD ist die erste Aufnahme von Soledad Sacheri. Aber auf anderem Gebiet beschäftigt sie sich schon lange und ausführlich mit der Stimme, hauptsächlich der Gesangsstimme, aber auch mit den Stimmen von Schauspielern und Sprechern: Sie ist ausgebildete Fonoaudiologin und hat in diesem Fach auch einen Doktortitel vorzuweisen. Bei einer Veranstaltung der Argentinischen Gesellschaft der Stimme im Jahr 2004 tritt sie mit anderen Fonoaudiologen anläßlich einer Benefizveranstaltung in der „Scala de San Telmo“ auf.

Sie ist Dozentin für Stimmtherapie und Pathologie der Stimme und hat Vorlesungen zu Themen wie „Stimmerziehung und Stimm- Prophylaxe für Schauspieler“ oder „Stimmhygiene“ angeboten. Auch war sie beispielsweise an einem Musik- Konservatorium (López Buchardo) in Bs As einige Zeit als Professorin für lyrischen Gesang tätig.

In ihrem Studium hat sie ihre Gesangstechnik u. a. in Mailand und in New York bei Sängerinnen und Professoren weiterentwickelt.

Auf ihrer Website veröffentlicht sie den Rahmen ihrer Unterrrichte sowie einige Artikel zum Thema Gesang und Stimmgesundheit, die ganz aktuelle Gedanken zum Stand der Forschung und zu den vielen noch ungeklärten Fragen rund um die menschliche Stimme  beinhalten.

Für mich ist es überraschend, so eine kammermusikalische Aufnahme zu hören, die sparsam, aber authentisch begleitet wird. Mir war der Name des Gitarristen und Arrangeurs bisher noch kein Begriff (Hernán Reinaudo), aber er beweist wieder einmal, wie populär doch die Gitarre in Argentinien ist – und etwa bei dem Tango El choclo genügt sie als alleiniges Begleitinstrument. Bei der Milonga „ Se dice de mí“ von Francisco Canaro / Text von Ivo Pelay stellt sie sich selbst nahtlos in die Tradition der couplethaften „Tangos cómicos“, die weniger als Tanzmusik als für die Bühne komponiert waren und die etwa die Sängerin Tita Merello mit dem Orchester von Canaro in die Tango- Neuzeit herübergerettet hat.

Einen anderen, weniger frechen und dafür melancholischeren Ton schlägt sie an bei „Tinta roja“ und hat sich mit diesem Tango auch eine Perle des „Rubros“ von Cátulo Castillo als Textautor und Sebastián Piana als Komponist ausgewählt. So wie sie auch anderen ganz Großen des Tango in ihrer Auswahl Reverenz erweist: Carlos Gardel mit „Volver“ und „Mi Buenos Aires querido“, Astor Piazzolla mit gleich drei Titeln und Enrique Santos Discépolo mit 4 Tangos, die seine Texte tragen. Sicher nichts zum Tanzen, aber eine schöne Sammlung zum Hören aus der Schublade „akustisch“ oder sogar „unplugged“.

Text von Martin Hallier


Link zur Downloadseite der CD
Link zur Website Soledad Sacheris.


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Die Tränen meiner Mutter – Kinofilm 2008

un loco • 22. Oktober 2008 • Im Fokus, Termine
6. November 2008
20:00

Ein Film von Alejandro Cardenas Amelio

Nach einem Drehbuch von Cuini Amelio-Ortiz und Alejandro Cardenas Amelio
Mit Adrian Gössel, Rafael Ferro, Erica Rivas, Alice Dwyer, Fabian Busch u.a.
Kinostart: 06. November 2008

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KURZINHALT

Eine geräumige Fabriketage in den 80ern. Den 12jährigen Alex (Adrian Gössel) und seine Eltern Carlos (Rafael Ferro) und Lizzy (Erica Rivas) hat es auf der Flucht vor der argentinischen Militärjunta nach Westberlin verschlagen. Während seine Eltern mit unterschiedlichem Erfolg versuchen, sich an die neuen Lebensumstände fern der Heimat zu gewöhnen, lernt Alex, dass auch eine skurrile WG eine „richtige“ Familie sein kann. Weder seine sich langsam entwickelnden, geheimnisvollen telekinetischen Fähigkeiten, noch die erste Liebe können jedoch verhindern, dass Alex’ Eltern sich nach und nach voneinander entfernen: Lizzy fühlt sich in Deutschland und mit ihrer Arbeit als Journalistin wohl, Carlos dagegen zieht sich immer mehr in sein Künstler-Schneckenhaus zurück. Dass ausgerechnet Anita (Toni Gomis Chaparro), die spanische Freundin von Mitbewohner Jürgen (Joachim Paul Assböck), zu Carlos durchzudringen scheint, passt Alex gar nicht in den Kram…

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Ein Inselleben: In der West-Berliner Fabriketage, die für den aus Argentinien stammenden Alex und seine Eltern Zuflucht, Arbeitsplatz, Rückzugsort und Bühne zugleich ist, gelten eigene Regeln. Staunend erlebt der 12jährige die Vor- und Nachteile des 80er-Jahre-WG-Lebens mit all seinen Besonderheiten. Aus der Sicht des erwachsenen Alex (Fabian Busch) in Rückblenden erzählt, entstand Alejandro Cardenas Amelios beeindruckendes Regiedebüt. DIE TRÄNEN MEINER MUTTER beschreibt sensibel und humorvoll die zerrissene, aber auch aufregende Kindheit eines außergewöhnlichen Jungen an der Schwelle zur Pubertät und malt nebenbei ein farbenprächtiges Kaleidoskop der politischen und gesellschaftlichen Ereignisse dieser spannenden Zeit.

Die TRÄNEN MEINER MUTTER lief bereits erfolgreich auf mehreren Festivals: Alice Dwyer wurde für ihre Nebenrolle als WG-Mitbewohnerin Sik mit dem Max Ophüls Preis ausgezeichnet, für seine beeindruckenden Bilder erhielt Kameramann Florian Schilling den Jin Jue Award für die beste Kamera auf dem 11. internationalen Film Festival in Shanghai. Der Film lief auf dem Montreal World Film Festival 2008 in der Kategorie Focus on World Cinema und wird in Kürze auf der 53. Semana Internacional de Cine de Valladolid in der Kategorie Punto de Encuentro gezeigt.
Produziert wurde DIE TRÄNEN MEINER MUTTER von Filmworker in Koproduktion mit dem ZDF / Das kleine Fernsehspiel, der Nicolas Grupe Filmproduktion, der Cinemedo sowie Creado Film. Gefördert wurde der Film mit den Mitteln der Filmstiftung NRW, dem medienboard Berlin Brandenburg und dem Kuratorium junger deutscher Film.

Kinostart  in Cinema Münster, Warendorfer Strasse 6.11.2008

Hier geht es zum Lageplan / Anfahrtskizze auf der Google-Maps-Karte “Tango in Deutschland

siehe auch Cinema Münster oder Website zum Film.

Vielleicht findet sich noch jemand, der an diesem Abend eine Tanzmöglichkeit im Foyer des Cinema schafft.


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Gotan Project – Doppel Live CD 2008

un loco • 28. September 2008 • CD der Woche, Im Fokus

cover_gotan_live.jpg Zur anstehenden CD Veröffentlichung von Gotan Project schreibt uns die mit der Promotion beauftragte Agentur, beatsinternational:

Für alle diejenigen, die vor zehn Jahren vorausgesagt haben, der Erfolg von Gotan Project würde sich ausschliesslich auf die Kaffeehaus-Tische und die Catwalks dieser Welt beschränken, kommt diese Live-Doppel-CD sicherlich unverhofft. Das Pariser Trio hat den Szene-Test bestanden und gezeigt, dass akustische Instrumentierung und elektronische Programmierung in einem atemberaubenden Spekatkel vereint werden können.

…und dabei trotzdem dem Ur-Prinzip der frühen Tango-Amateure des Guardia Vieja gehorchen: Der Tanzbarkeit. So ist die Musik des stolzen Buenos Aires: Umso mehr der Tango sich als traditionalistisch versteht, umso mehr öffnet er sich den Rufen der Modernität, von Carlos Gardel zu Anibal Troilo, von Astor Piazzolla zu Gotan Project.

Es würde, man muss es so sagen, falsch sein, den neuen Electro-Tango nicht als Teil dieser Tradition zu betrachten. Mit Gotan Project ist es ähnlich  wie mit dem Bandoneon, das im späten 19.Jahrhundert im fernen Deutschland erfunden wurde, Jahre nach der Geburt des Tango. Trotzdem wurde es zum emblematischen Instrument des Tango.

gotan.jpg Philippe Cohen-Solal, Eduardo Makaroff und Christoph H. Müller kommen ebenfalls von überall und haben es lange Jahre verstanden, dass man seinen Wurzeln am besten treu bleibt, wenn man dafür die Füsse nutzt: um voranzuschreiten, zu reisen oder zu tanzen. Dabei macht ihr Tango, gleichzeitig zweifellos neu, reinen Tisch mit der Vergangenheit. Und wie alle kultivierten Musiker wissen die drei Köpfe von Gotan Project, dass der Begriff „Revolution“ wörtlich nichts anderes bedeutet, als „die Bewegung, um zum gleichen Platz zurückzukehren“.

Gotan Project wissen auch, dass die Geschichte des Tango untrennbar ist von der Geschichte des Kinos, das den Tango seit seinen ersten Tagen begleitet, und dass „bonnes images“ einer „belle musique“ wahrlich alles bieten können. Ihre Performance spielt mit Blicken und Klang, um ihre Künste auszudrücken: So sind Gedächtnis und Antizipation miteinander verknüpft. Zwischen dem Heute und dem Morgen macht diese Perfomance keinen Unterschied – weil die Sehnsucht, so wie der Tango, nichts anderes ist als das Bedauern des Zukünftigen.

Diesem ausgefeilten Promotext ist nur noch wenig hinzuzufügen. Vielleicht der Hinweis, daß es bereits im Jahr 2005 eine CD der Revancha del Tango Tour gab. Zusätzlich dazu enthält die neue Doppel-CD einen Bonustrack zur RdT-Tour und eine komplette CD der bisher nicht veröffentlichten Lunatico Tour (CD 2). So bekommt man 2 CDs zum Preis von einer. Wieder einmal ist es einem Produzenten gelungen, die Live-Stimmung so einzufangen, daß man sich schnell “mittendrin” fühlt. Obwohl wir uns sehr über diese Doppel-CD freuen, warten wir doch sehnsüchtig auf “neuen Stoff”, nicht nur von Gotan Project. Auch Otros Aires kochen zum Jahresende altes Livematerial auf, statt eine neue Suppe anzusetzen.

gotan_75x75.jpg

Bleibt nur zu hoffen, daß die CD möglichst schnell, also ab 14.11.2008 bei Danza y Movimiento verfügbar ist, denn entgegen den aktuellen Börsentrends gibt es hier für Fans nur eine Empfehlung: Kaufen! Bis dahin gibt es “La vigüela” von der CD 2 – Lunatico Tour auf unserer Hörprobenseite. Viel Vergnügen!


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Tango-Mitfahrbörse ist online!

un loco • 8. Juli 2008 • Im Fokus

tanke11.jpgDer Benzinpreis steigt in schwindelerrregende Höhen. Zuhause ist es zwar auch ganz schön, doch die Tangoszene lebt seit je her vom Austausch. Andere TänzerInnen kennenlernen! Hörgewohnheiten erweitern! Schöne Locations sehen! Gründe gibt es zuhauf, einmal die Trampelpfade der heimischen Milonga zu verlassen und todesmutig zum Salon in die Nachbarstadt zu fahren.

Wer also Ambitionen hat, im Grossraum des Münsterlandes eine Milonga zu besuchen und vor den Fahrtkosten zurückschreckt, der muss sich etwas einfallen lassen. Die Lösung ist so einfach wie naheliegend. “Kosten teilen” lautet die smarte Analyse des Unternehmungsberaters. Auf deutsch: Es müssen MitfahrerInnen her.

autobahn.jpgUnsere neu eingerichtete Tango-Mitfahrbörse schafft hier genau die richtige Lösung. Angemeldete Benutzer – und nur solche – erhalten exklusiven, kostenlosen Zugang. Man kann entweder eine Mitfahrgelegenheit anbieten oder einen Mitfahrwunsch äussern. Zwei, drei Mausklicks. Telefonnummer oder emailadresse angeben. Abschicken. Fertig. Die Mitfahrgelegenheiten werden direkt  den jeweiligen Veranstaltungen zugeordnet. So kann der Osnabrücker sofort sehen, wer denn am nächsten Samstag zum Con Corazón nach Münster will. Den Münsteraner zieht es nach Enschede? Kein Problem. Bei der richtigen Veranstaltung den Mitfahrwunsch eintragen und hoffen, daß Mann oder Frau sich meldet.

Wie es funktioniert erfahrt Ihr auf dieser Seite. Viel Erfolg.


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